Auf der Suche nach Gear!

 

Notationen anzubieten, ist nicht immer hilfreich, besonders dann nicht, wenn auch Menschen erreicht werden sollen, die Noten nicht oder kaum lesen können. Solche Menschen findet man auch unter den ‘Professionals’ des Business. Ein Projektstudio erweitert die Möglichkeit, eigene Stücke zu präsentieren, auch und besonders im Internet. Man erhält die Möglichkeit, virales Marketing in eigener Sache zu betreiben.

Sich ein Projektstudio einzurichten, ist aber keineswegs leicht. Vom finanziellen Aufwand will ich gar nicht reden. Die Geräte haben spezifische Eigenschaften, die auch klanglich relevant sind. Ein Datenblatt verrät diese nicht. Es würde auch nicht ausreichen, in einen Laden zu gehen und nach Instrumenten, einem Mischer, nach Mikrofonen, nach Effektgeräten zu fragen, solange man bloß unbestimmte Vorstellungen hat und der Laden an bestimmbare Zulieferer und Hersteller gebunden ist. Eventuell mag es noch möglich sein, ein Instrument anzutesten, so ändert sich die Lage rasch bei Geräten und Software, die nur unter Studiobedingungen hinreichend einschätzbar sind. Einige Online Händler bieten ihren Kunden an, durch ein dreißigtäges Rückgaberecht eigene Tests durchzuführen, jedoch nicht zu dem Zweck, sich mal eben durch einen Gerätewald im Wert von 20.000 Euro und mehr zu quälen.

Zum Glück gibt es Fachzeitschriften, sollte man meinen, seit einigen Jahren auch online, die ihre Redakteure mit Tests beauftragen und auch Audiodemos bereitstellen lassen. Zwei der meiner Ansicht nach führenden Online Magazine im deutschsprachigen Raum sind ‘amazona.de’ und ‘bonedo.de’. Dort werden auch Studiogeräte und -software in separaten Rubriken vorgestellt. Bei ‘amazona.de’ unter ‘Studio’ und auch ‘PA’, bei ‘bonedo.de’ unter ‘Recording’. Beide Magazine richten sich primär an Musiker.
Auffallend ist, dass bei ‘amazona.de’ auch Links zu einem Online Händler (Thomann) gesetzt sind, das Magazin entstammt aber einem unabhängigen Engagment. Besonders hervorzuheben ist die Vintage Abteilung, in der detaillierte Auskünfte über ältere Geräte, vor allem Synthesizer und Sampler, gegeben werden. Auf Initiative des Online Händlers ist hingegen ‘bonedo.de’ entstanden. Solche Hinweise sind nicht unwichtig, können sie doch darüber Auskunft geben, was für Produkte überwiegend berücksichtigt werden.
Für Studiobetreiber erscheint in traditioneller Heftform die ‘Audio Professional’ (PPV-Medien), online stehen Wertungen und Downloads bereit. Die redaktionelle Arbeit ist auf Equipment spezialisiert, das für Studioanwendungen produziert wurde. Etwas Vorsicht ist jedoch geboten: Das Wort ‘professional’ bezieht sich im Musikbusiness nicht immer auf eine besondere Qualität, obgleich mit Vokabeln wie ‘Spitzenklasse’ und ‘Referenzklasse’ gespielt wird, stets jedoch auf die Preise von Geräten und Dienstleistungen. Die Markenbilder tragen dazu bei. Dieser Hinweis soll aber keineswegs in Abrede stellen, dass unter diesen Geräten nicht auch hervorragende und außergewöhnliche zu finden sind, die eine Anschaffung je nach Zweck lohnen.

Weitere Informationen sind online in zahlreichen Communities (Foren) zu finden. Ich habe allerdings wenig Spannendes darunter entdeckt. Eine Plattform wie ‘recording.de’ wird z.B. überwiegend von Anfängern genutzt. Wesentlich interessanter ist hingegen ‘gearslutz.com’, eine Community, die von Pangbourne aus, einem idyllischen Dorf im Süden Englands, betrieben wird. Hier trifft sich die internationale Audiowelt (online), auch um über ältere Geräte und alte Schätzchen zu sprechen, die unter anderem bei eBay angeboten werden, oder um Software von Kleinanbietern ins Spiel zu bringen, die vom Business unberücksichtigt geblieben ist.

Helge Juni 2011

 

Mitten im Leben

 

Übliche Konzepte schränken ein. Egal ob man sich auf Noises, Stille, Zufallsverteilungen, Algorithmen oder sonstwas musikalisch verlegt. Geht das Schloss zu, sitzt man im Käfig. Den fernen Himmel bekommt man bloß noch durch die Gitterstäbe zu Gesicht. Ich habe nach etwas in der Musik gesucht, das mir Freiheit verschafft.

Musikalische Variationen sind durch J. Brahms, L.v. Beethoven und J.S. Bach berühmt geworden. Seit dem 20. Jhd. lassen sich zwar vereinzelte Wiederaufnahmen von Komponisten registrieren, so bei Anton Webern, primär sind die modernisierten Techniken aber dem improvisierenden Jazz zuzuordnen. Mein Anliegen ist, Variationen erneut auch fürs Komponieren fruchtbar zu machen.

Hört man meine Stücke, kann man über einen Bezug auf die alten Komponisten staunen. Nichts klingt wie damals. Das ist auch gut so. Langeweile verbreiten wollte ich nicht. Den Ansatz, mit Themen frei umzugehen wie es Beethoven in den Diabelli Variationen unternahm, teile ich allerdings. Auf diese Weise ist eine Verbindung geschaffen. Die freie Tonalität, die erst im 20. Jhd. entwickelt wurde, passt zu meiner Herangehensweise sehr gut und bietet eine Abgrenzung zu den alten Werken.

Freiheit ließ in der Vergangenheit auch die Fantasie als musikalische Form. Schweift man durch die Labyrinthe von C.P.E. Bach, kann einem Unbedarften aufgrund der dargebotenen Frechheit schon mulmig werden. Aber auch dies lässt sich noch steigern, indem man die Tonalität einbezieht und die Entwicklungsmöglichkeiten in die Variationen integriert. Das Potential ist unbestreitbar.

Ich habe das Gefühl, mit meinen Stücken zwischen allen Ausrichtungen der Pop- und Jazzmusik als auch der Neuen Musik angekommen zu sein: also mitten im Leben! Ich werde dies auch weiterhin nutzen, mit Freiheitsgraden spielen, die mir vielfältige musikalische und gesellschaftliche Bezüge erlauben.

Helge Okt. 2009