Kompressor-Plug-In Major Tom von Stillwell Audio

 

Mehrfach hatte ich bereits hervorgehoben, dass mein Lieblingskompressor in der Summe das ‚Modell 670’ von IK-Multimedia ist. Es schlug sich am besten, konfrontiert mit den vielen Summensignalen, die ankommen können, gleichgĂŒltig wie kurz oder lang ein StĂŒck ist. Als Basis fĂŒr die Soundgestaltung in der Summe nutzte und nutze ich das Preset „Smooth“.

SelbstverstĂ€ndlich ist das ‚Modell 670‘ – als Nachempfindung des Fairchild 670 -, Bestandteil eines sogenannten Chains, einer Abfolge von Plug-Ins, an deren Ende der beziehungsweise das Reverb platziert ist, hingegen am Anfang ein EQ. Im Summen-EQ werden nicht nur Frequenz-Korrekturen vorgenommen, falls es nötig ist, sondern auch das Volumen der Signale angehoben und in den (Vintage-)Kompressor geleitet, vom Summen-Kompressor aus wird ein Limiter angesteuert, vom Summen-Limiter schließlich das Reverb-Plug-In. Ich hebe diese Abfolge hervor, um die AbhĂ€ngigkeit zu betonen, die jedes Summen-Plug-In von den restlichen Summen-Plug-Ins und deren Einstellungen hat. DarĂŒberhinaus ist in der Summe lediglich zu hören, was in den einzelnen KanĂ€len vorentwickelt wurde.

Seit Jahren suche ich bereits nach einem Kanalkompressor, um etwaige Anpassungen in den jeweiligen KanĂ€len vornehmen zu können. Die Firma ‚Stillwell Audio‘ bot sich mir an, weil eine Zusammenarbeit mit den DAW-Entwicklern von Reaper erfolgt. Ich kaufte zwar stets die teurere Variante, die auch von anderen DAWs geladen werden kann, aber ich erwarb bereits einige Plug-Ins aus klanglichen und preislichen GrĂŒnden von ‚Stillwell Audio‘. Etwas enttĂ€uscht hatte ich mich jedoch der BUS-Kompressor „Bombardier“. Das Resultat klang mir zu dĂŒnn. Mit dem „Major Tom“ wurde spĂ€ter versucht, das Verhalten eines (alten) „dbx 160“ nachzuahmen.

Der ‚Major Tom‘ hat erstaunlich viele Einstellmöglichkeiten. Bei den meisten Optionen handelt es sich jedoch um nachgeahmte Drucktaster, die entweder betĂ€tigt werden können, oder nicht. Eine Auswahl: ein Soft-Knee lĂ€sst sich wĂ€hlen, ein Auto-MakeUp, eine RMS- oder Peak-Detection, per Feedback oder Forward. Mit Drehschaltern lĂ€sst sich der Threshold, das Ratio und das Gain einstellen. Ein paar Worte ĂŒber die Audiobeispiele: mit Absicht habe ich eine Konzertgitarre als Instrument gewĂ€hlt, als Kompressor mit dem ‚Modell 670‘ von ‚IK-Multimedia‘ und einmal mit dem ‚Major Tom‘ von ‚Stillwell Audio‘. Ich war selber ĂŒberrascht, wie gut der ‚Major Tom‘ zu Werke ging. Dennoch gibt es etwas anzumerken. Das ‚Modell 670‘ lĂ€sst grĂ¶ĂŸere Varianten im Volumen zu, ist musikalisch feiner abgestimmt, als der ‚Major Tom‘ bei der Wahl Auto-MakeUp.

‚Major Tom‘ ist fĂŒr einzelne Instrumente ein beachtenswertes Kompressor-Plug-In, das dem ‚dbx 160‘ nachempfunden wurde. Man wird konkret ausprobieren mĂŒssen, ob er in allen FĂ€llen taugt, genĂŒgend Unterschiede im Volumen des zu rendernden Audios lĂ€sst, was besonders im Fall akustischer Instrumente von Relevanz wĂ€re. Eventuell hĂ€ngt das Ergebnis auch von den konkreten Einstellungen ab.

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MĂ€rz/April 2018

 

Ein 40er Vintage Kit

 

Bei meiner Suche nach geeigneten Drums fĂŒr ein Jazz-Trio wurde ich vor Jahren auf „KitCore“ aufmerksam. Der Grund: die Firma ‚Sonoma Wire Works‘ bot ein altes 40er-Vintage-Drumkit an, das weniger schlank als modernere Kits klang. In meinem Jazz-Trio sollte den Drums Raum und Klang zukommen, nicht ein sanftes Verschwinden. Zu erlĂ€utern ist, dass mein Trio tatsĂ€chlich nur ein virtuelles ist, das in mein Projekt-Studio einzuziehen hatte. Ich kaufte damals KitCore 2.0 (build 16), das 40er Drumkit separat, ich war also eigentlich nicht an KitCore interessiert, sondern an dem 40er Kit.

Aktuell gibt es die Drum-Software-Version 4.3.4 zu erwerben, und diese in verschiedenen Versionen, als Lite, Prime oder Ultra. Die Software wurde ĂŒbrigens in DrumCore unbenannt. Enthalten sind verschiedene DrumKits, nach Stilen sortiert, auch nach populĂ€ren Drumern, ebenso Midi-Files, inzwischen auch Loops. All dies war und ist mir jedoch völlig gleichgĂŒltig. Ich habe bislang kein Update vorgenommen, sondern nutze weiterhin die alte Version 2.0 mit dem 40er Set. Die gebotenen Möglichkeiten reichen mir. Das 40er Kit ist als ‚Sticked‘ und ‚Brushed‘ zugĂ€nglich, zudem gibt es einen separaten Percussion-Bereich. Die einzelnen Instrumente sind in den Sektionen relativ umfangreich, auch wenn eine Experimentierfreude Grenzen erfĂ€hrt. Weiter Klangspiele wĂ€ren z.B. per Sampler hinzuzufĂŒgen. Aber es ist ein Kit, das fĂŒr Jazz als Basis taugt. Als einzig nennenswerter Fx sticht in der alten Version die Dynamik hervor. Inzwischen ist besonders der Fx-Bereich angewachsen. Beurteilen kann ich Neuerungen nicht; sie interessieren mich allerdings auch nicht.

Das alte KitCore, neuerdings DrumCore genannt, erlaubt den Klang analoger Drums digital einzubinden, inzwischen sogar angereichert mit Fx. Mein Interesse war jedoch viel spezifischer, bezog sich auf ein 40er-Vintage-Kit, das inzwischen Teil eines Jazz-Trios wurde. Das Kit, dies sei abschließend hervorgehoben, erfĂŒllte meine BedĂŒrfnisse.

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Januar 2018

 

Pianoteq 5

 

Mit dem Piano-Modul von Modartt gelangen vor allem physically modelled pianos auf den Rechner, stand-alone und als VST-Instrument. Lediglich ca. 40 MB an Daten werden installiert. Die beanspruchte Prozessorlast ist relativ gering, aber die Instrumente klingen, soweit ich sie spielen konnte, erstaunlich authentisch. Bei einer Installation werden alle freischaltbaren Instrumente mitgeliefert, lediglich einige frei erhĂ€ltlichen Instrumente lassen sich noch separat hinzufĂŒgen.

Das Programm - aktuell ist Pianoteq 5  (5.8.1) erhĂ€ltlich -, gibt es in drei Versionen: Stage, Standard und Pro. Ich habe mich fĂŒr die Standardversion entschieden, die einige Eingriffe in die Klanggestaltung ermöglicht, u.a. in die Mikrophon-Positionierung, aber keinen 192-Khz-Betrieb erlaubt. In der Stage- und Standard-Version sind bis zu 48 Khz möglich.

Außer einem K2 genannten Grand Piano, das eigens fĂŒr Pianoteq programmiert wurde, werden die Versionen mit einem weiteren Instrument ausgeliefert: zu meiner Wahl stand ein D4 (Steinway) und ein Elektrik (Rhodes MK I, MK II, Wurli) genanntes Bundle. Ich entschied mich letzten Sommer fĂŒr das D4 und ließ spĂ€ter das Elektrik-Bundle freischalten. Das K2 interessierte mich wenig, das D4 um so mehr, und ich war ĂŒber den Variantenreichtum begeistert (Presets), der zur VerfĂŒgung stand und steht. Vor allem Musiker aus den Bereichen Klassik und Jazz werden bedient. Eigene Vorlieben lassen sich anpassen, je nach Version. Das D4-Piano habe ich bereits fĂŒr die Aufnahme (das Update) meiner EP ‚Schneetage‘ genutzt, die einst mit dem Fazioli-Model von GEM erstellt wurde. Auch das von Pianoteq derzeit schon erhĂ€ltliche Upright-Piano (Demo-Mode) hat fĂŒr Jazz einen besonderen Reiz.

Ich bin von der Technik als auch von dem Klang begeistert, den Pianoteq bietet. Sample-basierte Anwendungen, die bei Naturinstrumenten kaum noch Eingriffe erlauben, wirken dagegen altertĂŒmlich.

◊ Die drei Versionen

◊ Die Instrumente

 

Januar 2017

◊ Amazona.de hat die Notiz ĂŒbernommen.

 

Bei den Ruhrbaronen

 

in dem verlinkten Artikel, der von Reinhard Matern eingeleitet wird und im Mai bei den regionalen Ruhrbaronen erschien, gebe ich vor allem Auskunft ĂŒber meinen besonderen Umgang mit Kompression. Im Hintergrund steht der Wahn, durch Kompression die Lautheit maximieren zu können, bis zur Kasteiung.

◊ Moderne Musikproduktion und mittelalterliche Kasteiung

Helge Juni 2016

 

Von der Erlösung

 

Ein Musiker ist in der Regel kein Toningenieur, auch ich bin keiner. Dass sich Musiker ĂŒberhaupt mit technischen Fragen der Audioproduktion auseinandersetzen, hĂ€ngt eng mit der Digitalisierung der Produktionsprozesse zusammen. Der Einzug von Computern ermöglichte Musikern z.B. auf den Einsatz von Kassettenrecordern zu verzichten, auch ohne Label und Tonstudio zumindest anhörbare Demos zu erstellen, die einen ersten Eindruck der musikalischen Arbeit vermitteln konnten. Doch die Aufgabe, Audios zu erstellen, die man ruhigen Gewissens weiterreichen kann, löst im Internet immer wieder heiße Diskussionen aus. Es gibt durchaus Spezialsoftware, abseits einer zum Standardwerkzeug gewordenen Digital Audio Workstation (DAW), aber die ist nicht nur teuer, sondern auch in der Bedienung nicht einfach. FĂŒr Musiker, die keine Ingenieure sind, lohnt sich eine Anschaffung in der Regel nicht. Doch die nicht untypische Frage, wie man produzierte TrĂŒmmer retten kann, verfolgt eher einen unsachgemĂ€ĂŸen Ansatz. ZunĂ€chst könnte die Eignung von Instrumenten und AufnahmegerĂ€ten im Zentrum stehen. Wer bereits in dieser Hinsicht passen muss, brĂ€uchte sich ĂŒber ‚Rettungen‘ von Audios keine Sorgen zu machen. Sie stĂ€nden gar nicht bereit.

Anstatt mir ĂŒber einen audiophilen LĂ€rm Gedanken zu machen, interessierte mich das Reduzieren eines leisen Hum-Pegels, der bei Aufnahmen auch mit geeigneten GerĂ€tschaften entstehen kann. Normalerweise reicht es, den musik- oder sprachlosen Anfang eines Mixes zu stillen, und sei es in einem einfachen Audioeditor wie Audacity. Der leise Hum-Pegel, der wĂ€hrend eines Abspielens bleibt, geht in der Regel völlig unter. In manchen FĂ€llen, falls sehr, sehr leise Passagen enthalten sind und filigrane Stimmen zur Geltung kommen, bedarf es möglicherweise zusĂ€tzlicher Maßnahmen. Dies ist mir bei den Aufnahmen meiner ◊ Kunstlieder geschehen.

Eine DAW wie Reaper hat ein Tool (PlugIn) zu bieten, das fĂŒr eine relativ einfache Rauschentfernung nutzbar ist: ReaFIR. Die kleine Software sieht viel komplexer als der vergleichbare ‚Effekt‘ in Audacity aus. Nach einer Profilmessung ist es möglich, sich den Frequenzverlauf des Rauschens anzuschauen. Die Vorgehensweise bei der Entfernung ist jedoch Ă€hnlich. Die höhere KomplexitĂ€t des Tools erfordert allerdings mehr Einstellungen: unter Mode, um eine Rauschreduzierung zu ermöglichen, ist z.B. ‚Subtract‘ zu wĂ€hlen, unter Edit Mode ‚Precise‘. Und anhand des Profils wird das Rauschen nicht auf Mausklick herausgerechnet, sondern ist ein Preset abzuspeicht, das geladen sein muss, um beim Abspielen und Rendern filternd wirksam werden zu können. Online gibt es zahlreiche Videos, die grundlegende Vorgehensweisen praktisch erlĂ€utern, wenn auch primĂ€r mit drastischen Beispielen, die ich nicht als Rauschentfernung, sondern als LĂ€rmminderung fassen wĂŒrde, unter anderem von ◊ KennyMania. Der FFT Size muss meinen Tests nach aber nicht reduziert werden. Und da fĂŒr eine Profilerstellung relevante Spur- bzw. StemanfĂ€nge nicht selten kurz sind, kaum lĂ€nger als einen Takt umfassen, sich eventuell als zu kurz erweisen, lĂ€sst sich zur Erstellung eines Presets in ReaFIR auch die Repeat-Funktion der DAW fĂŒr einen markierten Bereich nutzen.

Der Vorteil einer Arbeit innerhalb von Reaper ist, dass sich die Bit- und Abtastrate nicht Ă€ndert. Üblich geworden sind Aufnahmen mit 24 Bit und bis zu 96 kHz. Audacity kann Audios mit mehr als 16-Bit nicht erstellen und exportieren, aber durchaus laden. Die internen Prozesse erfolgen mit bis zu 32 Bit Fließkommaberechnungen bei 44,1 kHz. Doch die Rauschentfernung ist bei relevanten Mix-Resultaten unregelmĂ€ĂŸig, vollkommen unzureichend. Aber auch ReaFIR zeigte mir Grenzen. Eine simple Integration in das Mix-Resultat, in den sogenannten Master, in dem alle Spuren zusammengefĂŒhrt werden, beantwortete mir Reaper mit einem Pfeifen und Tröten. Die Belastung war eventuell zu groß. Erst eine Positionierung von Instanzen auf jeder einzelnen Spur / jedem einzelnen Stem brachte das von mir gewĂŒnschte Ergebnis. Eine erlösende Hum-Stille!

Speziell fĂŒr ◊ amazona.de ist ein detaillierterer Bericht entstanden.

Helge Nov. 2015

 
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