Mitten im Leben

 

Konzepte schränken ein. Egal ob man sich auf Noises, Stille, Zufallsverteilungen, Algorithmen oder sonstwas musikalisch verlegt. Geht das Schloss zu, sitzt man im Käfig. Den fernen Himmel bekommt man bloß noch durch die Gitterstäbe zu Gesicht. Ich habe nach etwas in der Musik gesucht, dass mir Freiheit verschafft.

Musikalische Variationen sind durch J. Brahms, L.v. Beethoven und J.S. Bach berühmt geworden. Seit dem 20. Jhd. lassen sich zwar vereinzelte Wiederaufnahmen von Komponisten registrieren, so bei Anton Webern, primär sind die modernisierten Techniken aber dem improvisierenden Jazz zuzuordnen. Mein Anliegen ist, Variationen erneut auch fürs Komponieren fruchtbar zu machen.

Hört man meine Stücke, kann man über einen Bezug auf die alten Komponisten staunen. Nichts klingt wie damals. Das ist auch gut so. Langeweile verbreiten wollte ich nicht. Den Ansatz, mit Themen frei umzugehen wie es Beethoven in den Diabelli Variationen unternahm, teile ich allerdings. Auf diese Weise ist eine Verbindung geschaffen. Die freie Tonalität, die erst im 20. Jhd. entwickelt wurde, passt zu meiner Herangehensweise sehr gut und bietet eine Abgrenzung zu den alten Werken.

Freiheit ließ in der Vergangenheit auch die Fantasie als musikalische Form. Schweift man durch die Labyrinthe von C.P.E. Bach, kann einem Unbedarften aufgrund der dargebotenen Frechheit schon mulmig werden. Aber auch dies lässt sich noch steigern, indem man die Tonalität einbezieht und die Entwicklungsmöglichkeiten in die Variationen integriert. Das Potential ist unbestreitbar.

Ich habe das Gefühl, mit meinen Stücken zwischen allen Ausrichtungen der Pop- und Jazzmusik als auch der Neuen Musik angekommen zu sein: also mitten im Leben! Ich werde dies auch weiterhin nutzen, mit Freiheitsgraden spielen, die mir vielfältige musikalische und gesellschaftliche Bezüge erlauben.

Helge Okt. 2009